Grafik

Ferdinand Vogel

  Gleitschirmfliegen ist mein Leben



News

Portrait

Erfolge

Flüge

Videos

Presse

Vergangenes

Sponsoren

Vorträge

Deutschland Rekord


Osterfelder - 274km FAI


Lange hatten wir das 300er vom Wank geplant. Viele Möglichkeiten durchgespielt. Der XC Planer ist inzwischen echt der Hit! Die Entscheidung in welches Fluggebiet wir fuhren wurde uns von der Hochfellenbahn abgenommen. Reparaturarbeiten und ein evtl. Ausfall der Bahn ließen uns nach Garmisch fahren. Am Vorabend angereist um den morgendlichen Stress zu minimieren, wachten wir unter blauem Himmel bestückt mit teils kleineren Zirrengruppen auf. Um 8:30Uhr an der Bahn und gleich mit der Ersten auf den Berg. Während der Startvorbereitungen dehnte sich das Zirrenfeld aus und großflächig war alles dunkler. Am Startplatz standen ein paar Freiflieger mit ihren low Level Schirmen und wollten den morgendlichen Abgleiter genießen.
Gemeinsam fragten wir sie (sie standen innerhalb weniger Minuten eingeklinkt start fertig da) ob sie nicht noch 20min warten könnten, da dann die Thermik einsetzen könnte und sie super Dummies wären. Um den Witz zu vollenden baten wir sie sogar sich aufzuteilen, zeigten wo sie jeweils hin fliegen sollten, so dass jeder Hausbart abgeflogen wurde. Zu unserem Glück warteten sie tatsächlich noch ein paar Minuten und starteten kurz nach 9Uhr. Verwundert über die frühe Auslöse, schauten wir ihnen beim aufdrehen zu und der Startstress wurde erhöht.
Trotz Zirren hauten wir uns um kurz vor 9:30Uhr nach und nach raus. Erste Wolken hatten sich über uns gebildet und wurden von einem guten westlichen Wind verblasen. Jetzt schon? Der Wetterbericht hatte N Wind vorhergesagt am Vormittag, weshalb wir auch nicht am Wank standen.
In den selben Bart unserer Dummies eingestiegen, kurbelten wir uns an ihnen vorbei und wechselten die Thermikquelle zur Felswand mit Wolkenfetzen ein wenig westlicher. Dort holten wir im weiterhin schwachen steigen alles raus was ging und setzten zur Querung an. Im Westen sah man den zirrenfreien Himmel und überall standen recht hoch die ersten Cumuli. Der Tag würde besser und besser werden.
Die Talquerung verlief super. Leider hatte unsere Gruppe aber schon an Piloten verloren. Zaghaft, da es sehr früh war und die Zirren alles bremsten kurbelten wir in den schwächelnden Bärten, die auch noch gut vom westwind verblasen wurden.
Mit ausreichender Höhe und dem Blick zum Zirrenfeld (war bald weg) entschied ich mich das schwache Steigen zu verlassen und in den Thermikblubbern zum Laber zu soaren. Gesagt getan. Unterstützt durch den Rückenwind kamen wir sogar über Gipfel an. Schauten den Gleitschirm-, aber hauptsächlich Drachenfliegern beim aufbauen zu und drehten im bekannten guten Bart des Labers für die nördliche Wende auf. Am letzen Hügel kreisten die ersten Segelflieger auf der Ostseite mit guten Steigwerten. Also traute ich mich wieder recht früh los. Fast ein wenig zu früh. Am erhofften Thermikhotspot war die Luft tot. Ohne einen echten Plan B glitten wir den Bergrücken nach norden weiter. Inzwischen waren nur Daniel und ich im Führungspulk. Den anderen hatten wir schon einige Kilometer voraus.
Aus dem SW Hang fanden wir super zufällig den Bart an die Basis. Dabei machte ich einen kleinen Abstecher nach SO, weil dort ein Segelflieger und Uli unter einem Wolkenfetzen kreisten.
Gemeinsam mit Daniel glitten wir von der Basis weg in Richtung NO diesmal. Beim Planen der Strecke war mir aufgefallen, dass es nichts bringt den Rücken weiter nach Norden zu fliegen. Auf dem Rückweg wurde es für mich fast schon knapp um wieder Anschluss zu finden. Doch der Thermikhotspot war endlich eingeschaltet und ich konnte den anderen Beiden in die Höhe folgen. Da sie bereits oben waren und die Laber Südseite wieder aufsuchten (dort war es bereits etwas voller, die Laber-, Wank-Piloten und unsere Nachkommer versammelten sich dort), wollte ich ihnen nach eilen. Etwas zu tief verließ ich den Bart und musste daher um den Laber drum rum fliegen. Aber Laber ist Laber und im nu war ich wieder oben. Von dort aus ging es 13km im Geradeausflug Richtung Lechtal. Der Westwind blieb spürbar und die erste Thermik nach dem Laber war im fetten Lee, da ich mich wieder etwas mit der Höhe verschätzt hatte. Die Thermik stand weit ums Eck, weg vom Wind. Daher ging es, wenn auch klapprig an der Ostwand zügig rauf. Vor der Querung vorm Plansee wieder maximale Höhe bis an die Basis gemacht. Durch meine Fehler und weil einige die Wende im norden früher genommen hatten, war die Verfolgergruppe am aufholen.
Schöne Wolken standen vor der zu überfliegenden Kette. Ich drehte so weit, dass es mir auf die Südseite dieser reichte und soarte mit super steigwerten nach westen. Dabei beobachtete ich die anderen wie sie unter der Wolkenfetzenstraße parallel zum Plansee auf der Nordseite blieben und dadurch gut aufholten.
Ich flog wieder ganz nach dem Motto: Wer kurbelt "verliert". Ich versuche immer gerade aus zu fliegen. Nur zu kurbeln, wenn ich so tief komme, dass die Thermikabrisskante auf meiner Höhe ist, drehe ich. Alles andere geht durch soaren. Klar vor Hindernissen, wie Talquerungen, Bergrücken,. so weit drehen, dass es drüber reicht.
Das gilt vor allem gegen den Wind. Denn dann ist meist oben der Wind stärker und auf dem Weg ins Lechtal bei westlichem Wind und Talwinden aus NO lohnt sich das Tieffliegen extrem.
Immer wieder zeigten Wolkenfetzen wo die guten Bärte standen. Ich flog durch mein wenig kurbeln und erste Stufe Gas (50km/h) allen davon. Die Thermik war wie erwartet an den SO Flanken. Erst oben raus standen die Wolken etwas weiter gegen den Wind und beim abfliegen zum nächsten Hang konnte man den Sog der Wolke noch gut mitnehmen.
Den Sprung ins Lechtal über den Gipfel bei Stanzach nahm ich wie beim letzten Flug, nur mit besserer Basis. Ab dort flog ich das Lechtal mit nur einmal thermikkurbeln nach hinten. Der Gegenwind war nicht so kräftig. Deshalb kam ich gut voran und turbulent war es auch nicht so doll wie sonst.
Vor Warth dann die Entscheidung. Welche der drei Optionen nehm ich nun. Erstens; bis Warth, dann umdrehen. Zweitens; nach Lech rein und dort weiter nach westen in den hohen Bergen vorkämpfen. Drittens; das von uns geplante 300er.
Ich hatte die Worte von Daniel im Kopf. Am Startplatz sagte er noch, vor 15Uhr setzen wir nicht die Wende. Ich schaute auf die Uhr 13:30Uhr. na dann mal weiter.
Der Blick nach Lech machte mich wieder nicht so an. Der Hang westlich sieht so flach aus und der östlich, da stand die Sonne erst ganz kurz und schwach drin. Umdrehn? NEIN. Also Hochtannbergpass ich komme.
Alleine und ohne Nachfolger zu sehen machte ich mich mit nicht gerade viel Höhe auf den Weg. Wird schon was Thermik kommen. Normalerweiße steht der Bart etwas weiter östlich, aber er war da und es reichte locker bis nach Schröcken. Dort kannte ich von meinen Flügen ab Andelsbuch die Gegend wieder. Auch den Sprung ins Großwalsertal Richtung Schniefis war mir bekannt. Ich wusste noch genau, bei Westwind wird's da nicht leicht. Also machte ich mehr Höhe als sonst und glitt los. Es reichte, wenn auch mit weniger Höhe als gedacht. Im anderen Tal kurbelnd genoss ich die Aussicht. Blickte zurück, erkannte die Zugspitze schon fast nicht mehr, dafür mein geliebtes Andelsbuch. Vor 8Jahren machte ich dort meine ersten Höhenflüge. Die Sicht reichte bis nach Konstanz und blass aber erkennbar Überlingen. Ich erinnerte mich an den Blick (von vor einem Monat) im Ötztal in die Dolomitten und musste schmunzeln. Damals wollte ich unbedingt mal von Andesbuch nach Schniefis und zurück. Das wäre das größte gewesen. Und heute? Heute wollte ich von hier noch nach Italien fliegen um dann in Garmisch noch zu landen.
Ich bastelte mich nachdenklich nach Sonntag (Ortschaft). Dort kreiste ein Gleitschirmflieger zu dem ich mich gesellte. Mein Blick richtete sich immer öfter nach Süden. Suchend nach einer Möglichkeit die Strecke vor Schniefis abzukürzen, da es mir sonst zeitlich nicht mehr reichen würde. Als der andere Gleitschirmflieger über mir aus dem Bart nach Süden flog, dachte ich mir; dass machste nu auch. Mit größter Höhe flog ich dem Piloten hinterher ins Ungewisse. Ein wenig kurbelte ich mit ihm auf der anderen Talseite und wollte dann in die höheren Berge, dort aufsoaren und drüber mogeln. Aufsoaren klappte nicht. Die SW Felswände wollten nicht. Vermutlich zu viel Schnee davor und vor allem war hier eh alles sehr diesig. Im Reihntal stand die Sommersuppe.
Ich sah dieses hohe Tal in Richtung Arlberg. Konnte aber nicht ums Eck schaun. Das Hochplateau sah so aus, als wenn es hinten raus absinkt. Also dachte ich mir, wenn das da sinkt.. wird sich schon ausgehen. Irgendwann war ein umdrehen nicht mehr möglich, da das Plateau zu flach war. Also weiter. Dann sah ich wie es endlich absank. Glück gehabt, kein Toplanden hier oben. Nach wenigen Sekunden sah ich dann wo ich da rein geflogen war. Ein See kam und der Seeauslass floss wohl offensichtlich nicht runter zum Arlberg. Muss wohl Richtung Lech abfließen. Misst, Richtung Arlberg werd ich's wohl nicht drüber schaffen. Die Rippe ist zu hoch.
Ich schmiedete schon Pläne, wie ich erst zurück nach Lech müsste, ob es sich dann lohnen würde das Lechtal wieder zurück zu gleiten. Irgendwann hatte ich den Blick in das Loch was sich vor mir auftat. Der See hatte gar keinen Abfluss. Nur Zuläufe. Kein Tal ging von hier runter. Alle nur erstmal hoch. Ich sah mich schon auf 2000m einlanden und im See planschen. Probieren wollte ich es trotzdem noch. Also kniff ich die Pobacken zusammen und spielte mit dem Gas in Richtung Ausgang um weiter zum Arlberg fliegen zu können. Der Wind immer aus SW, musste ich also am leeseitigen Hang entlang. Dieser war zu dem im Schatten. Das ich da noch einen Heber oder wenigstens Nullschieber bekomme. nein. Ich weiß nicht wie. Aber ich umflog noch ein zwei Gebüsche gegen den Wind in 1-2m und ich war drüber, hatte endlich wieder Luft unterm Hintern. Zum ersten Mal hab ich in der Luft einen Freudenschrei abgelassen ?
Ich genoss die weite Sicht bis zum Talboden und glitt das Tal rauf. Irgendwie fühlte die Luft sich hier komisch an. Die Thermik blieb aus. Gab es hier Talwind, der die Thermik zerstörte. Nein, normale Geschwindigkeiten. Ich glitt das Tal weiter, bis ich es realisierte. Es war hier mega heiß. Die Luft stand. Die Sommerhitze machte es hier bock stabil. In einem minimalen Steigen kämpfte ich mich wieder höher und irgendwann wurde die Luft besser und der Bart zog an. Geschafft. Heute also nicht mehr tief!
Ich düste los zum Arlberg. Alles Neuland hier. 13km lang kein Bart mehr der anriss. Am Arlberg auch eher auf die ganzen Leitungen geachtet die da kreuz und quer gespannt sind. Endlich auf der Inntalseite sah ich wie einige Gleitschirmflieger vom Lechtal aus rüber gequert kamen. Gemeinsam mit Uli machte ich maximale Höhe bis ran an die Wolkenfetzen und auf den Weg über Landeck zum Venet. Der Wind schob uns angenehm. Am Venet soarten einige tief unter mir und ich gesellte mich zu Sebi, der dort schon am Kurbeln war. Ein mega Hochleister an Segelflugzeug kreiste um uns herum und gemeinsam tankten wir die Höhe um Richtung Kaunertal weiter zu fliegen. Dann hörte ich mein Funkgerät quietschen. Daniel, den ich im Lechtal verloren hatte meldete sich. Um zu antworten flog ich nördlich aus dem Bart raus. Zurück im Bart war Sebi weiter geflogen, aber nach Osten. Ganz unten sah ich dann Daniel kurbeln und Uli war inzwischen auch auf halber Höhe angekommen. Mit ausreichender Höhe setzte ich die Querung an. Von Osten kam noch Ernesto dazu. Hatte eben noch der Wind aus West geschoben hatten wir hier nun Nordwind. Langsam kamen alle rüber und etwas verstreut, aber gemeinsam ging es Stück für Stück nach Sölden.
Ich war nicht mehr fitt. Mein Kamelback (4L) war leer. Die Kopfschmerzen setzten 20min später ein. Nur mit der Hilfe von Sebi und Ernesto schaffte ich es weiter. Hinter Sölden wollte ich dann noch weiter, da ich Angst hatte das Dreieck sonst nicht als FAI gewertet zu bekommen (so ist es nämlich beim geplanten 300er). Der Wind mal mit NW, dann wieder SO war schwächelnd ok. Gemeinsam ging es das Ötztal raus. Gespannt ob wir die Querungen schaffen würden kurbelten wir ewig lange vor der Inntalquerung. Ein Gleitschirmpilot zeigte uns dann kurz vor dem Luftraum die rettende Thermik. Immer wieder aufs GPS achtend dass wir nicht rein flogen, drehten wir auf.
Mieminger war mit der Höhe dann kein Problem. Doch der nördliche Wind würde Probleme bereiten in die Zugspitzarena zu kommen. Ich peilte erst das Marienbergjoch an und stellte schnell fest, dass das nicht klappen würde. Bei nord Wind und so spät Abends würde aber auch die WSW Flanke am Fernpass nicht mehr gehen. Ich steuerte gerade auf den Gipfel zu. Denn dort ist der Gegenwind am schwächsten! Die SOS Seite war schon im Schatten und doch fanden wir etwas aus dem schattigen rauf kommend.
Ich war müde und kao und wollte nur noch landen gehen. Also drehte ich nicht weiter auf und wollte in die Zugspitzarena über die Bergkette einfliegen. Tcha und dann merkte ich den Nordwind. Es spülte mich runter. Auf dem Track kaum ersichtlich. Eine kleine Felsniesche blieb mir noch zum durchmogeln. Ich war gefühlt schon unter dieser, aber der Schirm der müsste gleich in den Luv kommen. Beschleunigt und in der Hoffnung irgendwie noch drüber zu kommen wartete ich auf die Turbulenzen. Abdrehen hatte ich mir bis zu letzt offen gelassen, aber der einstieg in die schwache Thermik würde evtl nicht mehr klappen. Klappen! In dem Moment, als der Schirm in das Luvband kam, klappte er und verhing links (leicht). Abdrehen wollte ich im Notfall nach rechts, also war Abdrehen keine Option mehr. Der Schirm stellte sich weiter auf, ich stabilisierte die Drehtendenz und durch das aufstellen reichte die Höhe durch die Einkerbung in der Bergkette. Auf der anderen Seite löste ich den Verhänger mit der Stabiloleine und genoss nachdenklich die ruhige Abendluft.
Der Weg zur Zugspitze wurde nochmals bastelreich. Denn es hatte nun NO Wind und die Felswände waren turbulent und wollten nicht so richtig. Erst die Zugspitze war gewohnte Entschädigung. Mit viel zu viel Höhe ging es zum Landeplatz nach Garmisch. Die Umkehrkonvergenz machte das nur noch auf den Bodenwollen nicht leichter. Aber die Freude das Dreieck geschlossen zu haben überwiegte! Geschafft

Das 300er wäre an dem Tag im größeren Team gefallen. Bin ich überzeugt von! Ich freu mich drauf, wenn wir in Zukunft mehr in Garmisch sind und das 300er probieren.
Es braucht einen leichten SW Wind, so dass die Talwinde geschwächt sind und die Basis etwas höher fürs schnellere Fliegen.

DEUTSCHER REKORD und dritt weitester Dreiecksflug im XContest!
Ferdinand Vogel